Buchempfehlungen

Diana Baur

Vor langer Zeit – in einer Galaxie, weit, weit entfernt…
Wer kennt es nicht – dieses berühmteste Intro der Filmgeschichte. Passend zu den legendären Filmen der Star-Wars-Reihe gibt es nun für alle Strick- und DIY-Fans das ultimative Buch:
Star Wars – Galaktisch stricken
Perfekt für Fans von Prinzessin Leia und Co. – oder für die, die Fans werden möchten.
In diesem fantastischen Buch sind 28 authentische Strickanleitungen auf Grundlage der weltbekannten Filmreihe zu finden. Von einem Kuschel-Yoda über Chewbacca-Socken und einer Ewok-Kapuze bis hin zu einem Darth-Vader-Pullover…und noch vieles mehr was das Fan-Herz begehrt! Es ist für alle was dabei – mit tollen Anleitungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.
Ich freue mich schon jetzt auf mein erstes Strick-Projekt – den Todesstern! Los geht’s!
Möge die Stricknadel-Macht auch mit euch sein!

Alexandra Brune-Will

Hat Jo Nesbo in seinen ersten Thrillern gerne den armen Kommissar Harry Hole malträtiert, der sich immer wieder mit seinen eigenen und fremden Dämonen auseinandersetzen musste, ermächtigt der Autor in seinen letzten Neuerscheinungen seine Figuren dazu, sich zu wehren. In diesem relativ harmlos anfangenden Krimi über zwei Brüder, die früh auf sich gestellt sind, als die Eltern mit dem Auto in den Tod fahren, wird der Leser in einen Ort entführt, der von Anfang an irgendwie Unbehagen bereitet. Kalt und unwirtlich, die Menschen nicht wirklich sympathisch. Dort lebt der Ältere relativ friedlich vor sich hin, die Fronten im Ort scheinen geklärt, als auf einmal sein jüngerer, charismatischer Bruder nach langer Zeit mit Frau aus Kanada zurückkehrt, und das Dorf mit großartigen Investitions- und Hotelbauplänen durcheinanderwirbelt. Dabei wird auch einiges Unschöne aus der Beziehung der zwei Brüder aufgedeckt und die Dämonen der Vergangenheit tauchen aus der – im wahrsten Sinne des Wortes – Versenkung auf!
Ein toller Krimi, weitab von 08/15, düster, psychologisch, und sehr sehr spannend!
Eine absolute Lese-Empfehlung!

Christine Brune-Schmidt

Dieses Buch ist mein Lese-Highlight des Jahres 2020 und eine unbedingte Geschenkempfehlung!

Die Geschwister Maeve und Danny Conroy wachsen im Holländerhaus in einem Randbezirk von Philadelphia auf. Die luxuriöse Villa der VanHoebeeks hatte ihr Vater Cyril von seinem hart erarbeiteten, ersten kleinen Vermögen gekauft. Doch seine Frau erträgt den Luxus nicht und verlässt die Familie. Ab diesem Zeitpunkt kümmert sich Maeve um ihren kleinen Bruder, was die Beiden eng zusammenschweißt. Die Geschwister werden unzertrennlich und sind eigentlich glücklich, bis ihr Vater wieder heiratet und die neue Stiefmutter mit ihren beiden Töchtern in das Holländerhaus einzieht. Nach dem Tod des Vaters wirft sie Maeve und Danny aus dem Haus, erhält das ganze Erbe und das Holländerhaus. Und obwohl die Geschwister ihr eigenes Leben meistern, können sie die Vergangenheit doch nicht hinter sich lassen und kehren regelmäßig nach Philadelphia zurück um das Holländerhaus zu beobachten.Mit diesem Roman hat Ann Patchett eine wunderbare, bittersüße und berührende Familiengeschichte geschrieben, die man einfach lieben muss. Durch ihre bildreiche Sprache haucht sie den Figuren Leben ein und gibt ihnen eine Seele. Man lernt Maeve und Danny kennen, schließt sie in sein Herz und wird mit ihnen erwachsen. Man betrauert mit ihnen den Verlust des Vaters und des Hauses. Man verflucht die Stiefmutter und leidet mit ihnen. Dabei spürt man immer wieder das enge Band zwischen den Geschwistern.
Das „Holländerhaus“ ist moderner und kluger Familienroman, der mich begeistert hat. Er handelt von schmerzhaften Verlusten, von Rachegefühlen, Sehnsüchten, einer unerschütterlichen Geschwisterliebe und dem was Familie und ein Zuhause bedeutet.

Diana Baur

Hulda Hermannsdottir, Kommissarin bei der Kriminalpolizei in Reykjavik steht mit ihren 65 Jahren kurz vor der Pensionierung. Doch als ihr Chef ihr eröffnet, dass sie sofort und von heute auf morgen vorzeitig ihren Platz für einen jüngeren und erfolgreichen Kollegen räumen soll, ist sie geschockt. Sie leiert ihrem Chef noch die Arbeit an einem letzten Fall aus den Rippen – einem Cold Case, der sie niemals losgelassen hat. Sie nimmt erneut die Ermittlungen auf und begibt sich auf eine gefährliche und düstere Reise ins ebenso düstere und gefährliche Herz Islands.
DUNKEL ist der Auftakt einer fulminanten Trilogie um die im Leben gescheiterte Kommissarin Hulda mit einer tiefgehenden Charakterisierung der zentralen Figur und beeindruckenden Landschaftsbeschreibungen. Und das Besondere an dieser Trilogie ist die Erzählweise: denn Ragnar Jonasson erzählt die Geschichte um Hulda rückwärts und schafft somit einen außergewöhnlichen und absolut fesselnden Thriller, der den Leser aus seinem üblichen Lesemuster reißt und ihm einiges abverlangt – vor allem gute Nerven!
Das Ende von DUNKEL hallt lange nach und hat mich nachhaltig ungemein beeindruckt. Es hat mich – um ehrlich zu sein – total aus den Socken gehauen! Mal ganz was anderes im Einheitsbrei der herkömmlichen Thriller-Literatur…eine absolute Lese-Empfehlung!
Glücklicherweise kann man direkt mit Band 2 (INSEL) und Band 3 (NEBEL) weiter ins Hulda-Universum eintauchen und reist auf abgründigen Wegen in die dunkle Vergangenheit der komplexen und vielschichtigen Protagonistin.
Also geschwind nach DUNKEL auch INSEL und NEBEL lesen…es lohnt sich!!!

Simone Neidlinger

Während wir feiern
….kämpfen andere ums Überleben. So oder so ähnlich ließe sich der Titel des Romans der deutsch-schweizerischen Autorin fortsetzen. Auf eindringliche Art und Weise kontrastiert Ulrike Ulrich die Luxusprobleme der Wohlstandsgesellschaft mit der Realität und den existentiellen Sorgen von Flüchtlingen.Während die deutsche Sängerin Alexa, die kurz vor ihrer Einbürgerung steht, wie jedes Jahr eine Dachparty zum Schweizer Nationalfeiertag vorbereitet, sucht der junge Kamal verzweifelt einen Unterschlupf, um sich der drohenden „Ausschaffung“ nach Tunesien zu entziehen. Als selbst der engagierte Zoltan, Alexas bester Freund und Kamals Deutschlehrerund Vertrauter, ihm aus unterschiedlichen Gründen die so dringend benötigte Hilfe verweigert, eskalieren die Ereignisse. Ulrike Ulrich zeichnet ein sehr genaues Bild des Bildungsbürgertums – informiert und kritisch auf der einen Seite, aber auch ignorant und oberflächlich auf der anderen Seite. So ist Alexa durchaus betroffen von Kamals Schicksal und gewillt zu helfen, aber ebenso wichtig erscheint die Planung und das Gelingen der Party: Dekoration, Bowle, Musikauswahl versus Sicherheit und Überleben eines Menschen.
Ein Tag und eine Nacht – wahrgenommen aus der Perspektive unterschiedlicher Personen mit individuellem Schicksal und einer jeweils eigenen Sicht auf die Dinge und Ereignisse. Ein facettenreicher Roman, der fesselt und zum Nachdenken anregt.

Hanna Finkbeiner

„Das zweitbeste Leben“ von Tayari Jones ist ein Roman über eine sehr spezielle Familiengeschichte.
Zwei fast gleichaltrigen Mädchen, die denselben Vater haben, dieselbe Stadt.
Der erste Teil beginnt mit Dana. Sie ist die Tochter von James Whiterspoon, der mit ihrer Mutter nicht verheiratet ist. Bei ihnen ist er heimlich. In diesem Bewußtsein wächst sie auf:
“Du darfst deiner Erzieherin nicht erzählen, dass dein Daddy eine andere Frau hat. Du darfst ihr nicht erzählen, dass ich James Witherspoon heiße. Atlanta ist wie ein Dorf, hier kennt jeder jeden.” “Deine andere Frau und dein anderes Mädchen sind ein Geheimnis?”, fragte ich. (…) “Nein. Das verstehst du falsch. Dana, du bist ein Geheimnis.”
Damit dass so bleibt, muss Dana von klein auf zurückstecken und bei vielen was sie möchte,auf die andere Tochter Rücksicht nehmen. Wie sie ihre Geschichte erzählt, wirkt sehr frühreif, dennoch möchte man sie öfters einfach nur beschützen.
Im zweiten Teil kommt die andere Tochter, Chaurisse, zu Wort. Sie wächst behütet in einer heilen Welt auf. Man ahnt es fast, dass die beiden Schwestern aufeinander treffen werden. Dana setzt sich über das Verbot des Vaters hinweg und lernt Chaurisse kennen, freundet sich mit ihr an, möchte sehen und erleben, wie das Leben der Schwester über all die Jahre verlaufen ist. Dann konfrontiert sie sie mit der Wahrheit über die zweite, heimliche Familie. Für Chaurisse und ihre Mutter bricht eine Welt zusammen. Man erfährt, dass auch sie mit diesem Vater zu kurz kommt, und wie das Schicksal ihrer Eltern miteinander verwoben sind.
Es ist ein berührendes Buch über die Sehnsucht nach Liebe und Vertrauen, über Lügen und Geheimnisse, und nebenbei lässt die Autorin gekonnt Themen wie die Rolle der Frau und der Farbigen in den 80er Jahren in den Roman einfließen

Ricarda Schneider

In “Miracle Creek“ dreht sich alles um einen Mordprozess.
Nachdem zwei Personen, ein kleiner Junge mit Autismus und eine Mutter von fünf Kindern, bei einer Explosion einer Druckkammer in einer Scheune in Miracle Creek ums Leben kamen, wird die Mutter des verstorbenen Jungen angeklagt, das Feuer unter den Sauerstofftanks gelegt zu haben, die im Rahmen einer zweifelhaften Therapiemethode, reinen Sauerstoff in die Druckkammer leiten.
Denn an dem tragischen Tag stieg sie nicht mit in die Druckkammer, sondern bat die Mutter eines anderen Kindes, während der Therapie auf ihren Sohn aufzupassen.
Während im Gerichtssaal ein Zeuge nach dem anderen verhört wird, wird den Beteiligten bewusst, dass die Sache längst nicht so klar ist, wie alle denken und sie erinnern sich an ihre jeweiligen Erlebnisse und wichtige Schlüsselsituationen an den Tagen rund um die Explosion zurück…und beim Lesen merkt man schnell, dass offenbar keiner die ganze Wahrheit erzählt und alle ihre ganz eigenen (guten) Gründe dafür haben. Stück für Stück setzt sich mit jedem Perspektivwechsel das Puzzle um diesen Tag, diese schicksalhaften Minuten weiter zusammen und überraschte mich immer wieder aufs Neue!
Wahnsinnig spannend, clever konstruiert und mit vielschichtigen persönlichen Geschichten der Charaktere gespickt, die alles so lebendig und tragisch und irgendwie nachvollziehbar machen. Neben dem spannenden Gerichtsprozess, werden in diesem Roman Themen wie Migration, Unfruchtbarkeit, Autismus und Mutterschaft behandelt.
Eins ist klar: Jeder hat Fehler gemacht in dieser Geschichte. Doch wer trägt die Schuld am Tod dieser beiden Menschen, wie wurde diese Ereigniskette in Gang gesetzt und wer fängt an, endlich die Wahrheit zu erzählen?
Absolut lesenswert!