Lese-Empfehlungen

Buchempfehlungen aus dem JUNIMOND


England im Jahr 1989. Die ungleichen Freunde Redbone und Calvert – beide im Leben wie in der Gesellschaft gescheitert – kreieren im Sommer diesen Jahres riesige und komplexe Kornkreise in den Getreidefeldern der Grafschaft Wiltshire im Süden des Landes. Nahe von Stonehenge lassen sie im verborgenen Dunkel der Nacht wunderbare Kunstwerke in den riesigen Feldern entstehen, die allmorgendlich nach ihrer Entdeckung Schaulustige jeglicher Couleur anlocken. Von Gaffern über Reporter und Wissenschaftler bis hin zu Ufologen – die Piktogramm-Kunstwerke der beiden nach Schönheit strebenden Außenseiter sind DAS Thema und somit auch immer wieder in der Presse zu finden. Doch die Urheberschaft der Kornkreise bleibt im Dunkeln, und somit nährt sich der Mythos.
Ein wunderbares und stimmungsvolles Buch – leicht und schwer zugleich. Und dabei so ruhig, poetisch, bedachtsam und dicht wie ein golden wogendes sommerliches Getreidefeld.

Diana Baur


Alice und Eileen sind seit dem College befreundet. Mit fast 30 ist Alice erfolgreiche Autorin und nimmt sich gerade eine Auszeit in einem Pfarrhaus an der irischen Küste, während Eileen in einem schäbigen WG-Zimmer in Dublin lebt und in ihrem aussichtslosen Job festsitzt.
Alice lernt Felix über Tinder kennen und beide wissen nicht so recht, was sie füreinander sein wollen. Eileen versucht, die Trennung von ihrem Freund Aiden zu verarbeiten, während sie eigentlich Gefühle für ihren Kindheitsfreund Simon hat.
Alice und Eileen tauschen sich in E-Mails über ihr Leben, ihre Gefühle und das Weltgeschehen aus, die sich mit Einblicken in ihre intimsten Alltagssituationen abwechseln.
Sally Rooney schafft es, den Figuren Leben einzuhauchen, Beziehungen zu durchleuchten, die Sinnsuche einer ganzen Generation beispielhaft herunterzubrechen und damit einen berührenden und klugen Roman über Freundschaft, Liebe und Hoffnung vorzulegen.


Ein kleines Tal, eine einzige Straße und sieben Einwohner, die sich alle die Frage stellen, wohin sie gehören… Die einen entfliehen der Enge des Tals, für andere wird es zum Zufluchtsort und wieder andere können sich nicht vorstellen, jemals an einem anderen Ort zu leben.

In seinem Debütroman entführt Malachy Tallack die Leser in die wilde Schönheit der schottischen Shetlands, ohne zu romantisieren. Unaufgeregt und authentisch erzählt er vom Zusammenleben der Menschen im Tal, die mitunter so rau und unnahbar wirken wie die Insel selbst. Und doch sind ihre Beziehungen untereinander ehrlich und intensiv – jeder kennt jeden, Haustüren stehen offen, für Geheimnisse ist kein Platz.

Statt aufregender Unterhaltung findet man bei Malachy Tallack eindringliche Charakterstudien und beeindruckende Naturbeschreibungen und merkt, dass kleine Geschichten faszinierender sein können als spektakuläre Ereignisse.

Simone Neidlinger


Zwei Autoren, ein Briefwechsel über zwei Jahre, in den Schuhen zweier ausgedachter Figuren, ohne große Absprachen und feste Regeln. Das Ergebnis: ein faszinierender Roman voller Philosophie, Lebensfragen und Poesie.
Großartig, was Anne von Canal und der Schauspieler Heikko Deutschmann da geschaffen haben. Einzige Vorgabe der Geschichte war, dass eine Figur etwas verliert, die andere es findet und zurückschickt.
Daraus entstand ein fiktiver Briefwechsel zwischen Jana und Johan, der mit einem Päckchen an Jana mit lang ersehntem Inhalt beginnt. Sie schreibt zurück und langsam entsteht aus der Anonymität ein Ping-Pong-Spiel zwischen den beiden. Zwei vom Leben malträtierte Menschen lernen sich kennen. Zwei, die den Sinn des Lebens immer neu erfragen und herausfinden, dass ihre Vitae sich sogar gekreuzt haben. Ein berührendes und faszinierendes Buch über das Leben, verpackt in ein Format, das seinesgleichen sucht.

Melanie Krause-Berger


Ein starker Roman, der so viel mehr ist.
Ein Mädchen, das viel zu früh erwachsen werden muss, innige Geschwisterliebe, ein deprimierendes amerikanisches Küstenstädtchen, in dem sich hinter der glitzernden Touristenfassade einiges an Armut und Dunkelheit versteckt, ein Mordprozess mit überraschender Wendung.
Die Geschichte ist berührend, spannend, aufwühlend, tragisch und bis zum Ende voller Wendungen. Die Charaktere, alle auf ihre eigene Art und Weise gebrochen und kämpfend, wachsen einem ans Herz und die Geschwister möchte man in den Arm nehmen, um Trost und Hoffnung zu spenden. Gleichzeitig ist man von der Verkettung der verschiedenen Kriminalfälle so gefesselt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.
Dieses Buch hat mich tief berührt und die Figuren werden mich noch lange begleiten. Vor allem aber hinterlässt es das gute Gefühl, dass es trotz aller Härte, die das Leben manchmal mit sich bringt, immer Hoffnung gibt.
Große Liebe!

Christine Brune-Schmidt


Ein psychologisch raffinierter Roman über die langen Schatten unserer Herkunft und darüber, dass uns oft die Menschen das größte Rätsel bleiben, die wir am besten zu kennen glauben: unsere Kinder.

Lilach ist mit ihrem Mann von Israel nach Amerika gezogen, um für ihre Kinder ein Leben zu finden, in dem sie sich nicht in ständiger Gefahr wähnen müssen. Doch ein antisemitisches Attentat beendet diese vermeintliche Sicherheit.

Die jüdischen Eltern organisieren einen Selbstverteidigungskurs und Lilachs Sohn Adam, bisher eher ein ängstlicher Außenseiter, findet hier endlich begeistert Anschluss.

Lilach beobachtet anfangs eher misstrauisch den quasi-militärischen Drill und die Faszination, die der Leiter, der ehemalige Brigadegeneral Uri auf alle ausübt. Aber auch sie und ihr Mann können sich Uris Sog nicht entziehe.

Doch dann stirbt auf einer Party ein Mitschüler Adams und je mehr Lilach über die Umstände des Todes erfährt, desto größer wird ihr Unbehagen: Ist es möglich, dass Adam damit in Verbindung steht?

Ein berührendes Eltern-Kind-Drama, das im Verlauf des Romans zu einem packenden Thriller wird, spannend bis zur letzten Seite und meine absolute Lese-Empfehlung!

Alexandra Brune-Will


Frida Kahlos Leben war kurz, leidvoll und intensiv. Claire Berest erzählt in ihrem wundervollen Buch „Das Leben ist ein Fest“ von eben diesem Leben – vollgepackt mit Qualen, Schmerzen, Gefühlen, Kunst… und der Liebe zu dem großen Diego Rivera.

Auch Farben spielten in Frida Kahlos Leben eine wichtige Rolle. In ihrem Tagebuch der Farben notierte sie einst deren Bedeutung für sich – und an diesem Farbkanon orientiert sich Berest in ihrem Roman, indem sie den einzelnen Kapiteln jeweils eine Farbe zuordnet und diese als Kapitelüberschriften nutzt. Frida Kahlo malte exzessiv – und genauso exzessiv lebte sie auch. Sie rauchte, trank, liebte, feierte rauschende Feste – und das alles völlig hemmungslos, ausschweifend und maßlos.

Berest ist ein wunderbar einfühlsamer Roman zum Leben der großen Künstlerin gelungen, der sich expressiv in Farben und Gefühlen ergibt. Poetisch, eindringlich, mitreißend – ein Roman so intensiv wie eine Farbexplosion!

Dieses Buch war mir ein wahres Lese-Fest!

Diana Baur


Nach „Der Marsianer“ und „Artemis“ endlich ein neuer Roman von Andy Weir!
Ein Mann allein im All. Der Rest seiner Crew ist tot und er kann sich an nichts erinnern. Schnell findet er heraus, dass er sich in einem fremden Sonnensystem befindet und erinnert sich: Seine Mission ist die letzte Chance, die Menschheit zu retten.
Eine tolle Mischung aus hochspannender Action, vielen Überraschungen, interessanten naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und viel für den Autor typischen Witz. Wieder einmal schaftt es der Protagonist mehrfach, sich in eigentlich ausweglose, ziemlich sicher tödliche Situationen zu bringen und dabei trotzdem nicht nur einen kühlen Kopf, sondern auch noch viel Humor zu bewahren! Wer Science Fiction, Naturwissenschaft und den geheimnisvollen Weiten des Weltraums auch nur ein bisschen etwas abgewinnen kann, sollte dieses Buch unbedingt lesen!

Ricarda Schneider


Eine luxuriöse Seniorenresidenz in der britischen Grafschaft Kent: das klingt nach Idylle, Ruhe und Beschaulichkeit – doch weit gefehlt! Statt sich entspannt zurückzulehnen und die Zeit mit wohlverdientem Nichtstun zu verbringen, nehmen sich die vier rüstigen Senioren Joyce, Ron, Ibrahim und Elizabeth – ehemals Krankenschwester, Gewerkschaftsführer, Psychiater und Geheimagentin – jeden Donnerstag alte, ungelöste Kriminalfälle vor. Und als dann vor ihrer Haustür tatsächlich mehrere Morde geschehen, laufen sie zu Höchstform auf und stürzen sich mit großem Eifer und durchaus unkonventionellen Methoden in deren Aufklärung. Selbst die ermittelnden Polizeibeamten – anfänglich wenig begeistert von der unerwarteten Unterstützung – kommen schließlich nicht umhin, den Schwung und Einfallsreichtum der Senioren anzuerkennen. Eine Rentnergang im Ermittlerfieber – witzig, erfrischend, warmherzig und very British! Die ideale Sommerlektüre!

Simone Neidlinger


Nora Eldridge, Anfang vierzig, alleinstehende Grundschullehrerin, ist jemand, den man einen „guten Kumpel“ nennen würde: verlässlich, gewissenhaft und angepasst. Sie ist zufrieden mit ihrer kleinen bescheidenen Welt, doch schlummern Sehnsüchte in ihr, die sie für sich aber schon abgehakt hat.
Eines Tages kommt der 8-jährige charmante und märchenhaft wirkende Junge Reza in ihre Klasse und durch einen Vorfall lernt sie auch dessen charismatische Eltern kennen, einen Geschichtspro-fessor mit libanesischen Wurzeln und eine aus Italien stammende Künstlerin.
Als Nora in der Welt der glamourösen Familie willkommen geheißen wird, sieht sie die Chance, ihre Hoffnungen und Sehnsüchte real werden zu lassen. Peu à peu gerät Nora in den Sog der Familie und sukzessiv in eine emotionale Abhängigkeit, die für sie essenziell wird – bis eines Tages Noras Zuneigung und das Freundschaftsgeschenk an die Familie fatal verraten wird. Ein psychologisch raffiniertes Beziehungsdrama, das einen fassungslos zurücklässt!

Melanie Krause-Berger


Endlich wieder Urlaub planen!
Darauf freuen wir uns zur Zeit ja alle wieder – aber Vorsicht, wenn Sie vorhaben, den Sommer gemeinsam mit Freunden in deren Ferienhaus zu verbringen…Die Einladung klingt perfekt: Eine Woche Ferien in einem idyllischen Haus in Frankreich. Einfach mal wieder die Seele baumeln lassen. Süßes Dolcefarniente genießen. Und natürlich: Essen wie Gott in Frankreich! Doch leider kommt es dann so, wie es oft kommt: Ganz, ganz anders.
Denn wo lernen sich Menschen wirklich kennen? Spätestens im Urlaub! Und so kommen hier drei sich noch etwas fremde Paare mit Kindern zusammen, um sich näher kennenzulernen, und das nicht ganz ohne Hintergedanken der Gastgeber.
Mit viel Humor und pointiertem Witz beleuchtet Max Küng in seinem neuen Roman die Beziehung der Freunde, die sich nach dem Urlaub alles andere als fremd sind.Für mich das perfekte Buch, um sich auf die Sommermonate einzustimmen!

Christine Brune-Schmidt


Eine Hochzeitsgesellschaft auf einer einsamen und geheimnisumwitterten Insel vor der Küste Irlands.

Eine wunderschöne, glückliche Braut und ein Bräutigam wie aus dem Bilderbuch.

Alle freuen sich mit dem Traumpaar – Trauzeugen, Brautjungfern, Gäste.

Aber ist wirklich alles so perfekt wie es scheint? Oder ist am Ende doch alles zu schön, um wahr zu sein? Denn alle Anwesenden haben ein Geheimnis. Und sie haben mehr gemeinsam, als ihnen lieb sein kann.

Ein Sturm zieht auf und nach und nach offenbaren sich die menschlichen Abgründe, die hinter den Fassaden lauern. Als schließlich ein Mord geschieht, fallen die Masken und offenbaren Unfassbares.

Lucy Foley’s Sommernacht bietet Spannung pur, eine tolle Atmosphäre und auf jeder Seite eine unvorhergesehene Wendung! Ein tolles Leseerlebnis für Thriller-Fans!

Diana Baur


Ein Sommer in Norwegen. Die Familie – die Mutter mit ihrem Lebensgefährten, die Schwestern Ida und Marthe, Marthes Mann und Stieftochter – trifft sich im Ferienhaus, um den Geburtstag der Mutter zu feiern. Es könnten idyllische, harmonische Tage werden, würden sich alle wie erwachsene Menschen benehmen… Das allerdings fällt besonders der älteren Schwester Ida schwer, die gerade mit ihrem kinderlosen Single-Leben hadert. Im Sommerhaus werden Kindheitserinnerungen wach, alte Wunden und Konflikte brechen auf. Und als Ida erfährt, dass ihre Schwester schwanger ist, während sich ihr eigener Plan, Eizellen einfrieren zu lassen, gerade zerschlagen hat, tritt die Rivalität zwischen den beiden offen zu Tage – mit kleinen Intrigen, Kränkungen und psychologischen Spielchen vom Feinsten. Mit viel Witz und Gefühl erzählt Marie Aubert von denen, „die wir lieben – und davon, was wir ihnen antun, wenn wir nicht kriegen, was wir wollen.“

Simone Neidlinger


Wie weit kommt ein erfahrener FBI-Agent als Ermittler in der schwedischen Einöde?

Nach einem missglückten Undercover-Einsatz in Baltimore muss der amerikanische FBI-Agent John Adderley unter neuer Identität untertauchen. Entgegen aller Ratschläge entschließt er sich, nach Schweden in seine Heimatstadt zurückzukehren. Denn dort steht sein Halbbruder Billy seit zehn Jahren unter Verdacht, eine junge Frau ermordet zu haben. Damals verschwand die junge Emily nach einer Party spurlos. DNA Spuren brachten Billy mit ihrem Verschwinden in Verbindung. Und obwohl ihm nichts nachgewiesen werden konnte und auch bis heute jede Spur von der jungen Frau fehlt, ist die Tat nie vergessen worden und die Schuldzuweisungen sind nie verstummt. Nun wird der Fall neu aufgerollt. Und trotz des Risikos, dass Johns Verfolger aus Amerika ihm in seine alte Heimat folgen, schleust er sich in die neu gegründete Cold Case Einheit ein und wird Teil des Ermittlerteams. Dabei bringt er nicht nur sich selber in tödliche Gefahr.

Dieser schwedische Krimi ist spannend und fesselnd von Anfang bis Ende. Ein großartig gelungener Reihenauftakt, den ich jedem Fan skandinavischer Krimis sehr ans Herz legen kann. Wem die Krimis von Hjorth & Rosenfeldt um den Ermittler Sebastian Bergmann gefallen haben, der wird auch dieses Buch verschlingen.
FBI-Agent meets schwedische Kleinstadt – einfach nur super und eine unbedingte Leseempfehlung!

Christine Brune-Schmidt


Seit drei Jahren sind Kinga und Mahmut ein Paar, teilen Tisch und Bett miteinander und möchten gerne heiraten. Alles könnte so wunderschön sein, gäbe es da nicht zwei klitzekleine Haken: für Mahmuts Eltern ist Kinga ein „polnischer Ausrutscher“ und Kingas Eltern ist ihr muslimischer Schwiegersohn in spe noch gänzlich unbekannt. Nachdem die beiden die Bombe haben platzen lassen, sind Kingas Eltern natürlich „not amused“, denn ihr Leben besteht aus polnischen Traditionen und der katholischen Kirche. Kingas rettende Idee: Kennenlernen des Schwiegersohns auf der Hochzeit der Cousine in Polen. Ob das gut geht? Eine Komödie? Jein, denn einerseits erzählt die Autorin die Geschichte mit einer geballten Ladung Sprachwitz, dennoch fehlen nicht die ernsten Töne. Kritik an gegenseitigen Vorurteilen verschiedener Kulturkreise, sowie die Themen Identität, Herkunft, Familie werden mit Bedacht behandelt.
So muss eine Geschichte sein, eine perfekte Mischung!

Melanie Krause-Berger


Die junge Journalistin Sandrine wird blutüberströmt an einem Strand der Normandie gefunden. Keiner weiß, wo sie herkommt, und die Geschichte, die sie erzählt, irritiert die herbeigerufenen Polizisten. Irgendetwas stimmt hier vorne und hinten nicht: Die Insel, von der Sandrine erzählt und auf der sie nur knapp dem sogenannten Erlkönig entkommen sein soll, existiert nicht. Die von ihr erwähnten Personen, die in ihren Fall verwickelt sein sollen, gibt es ebenfalls nicht. Auch die hinzugezogene Psychologin zweifelt die Echtheit der Geschichte an. Sie kommt nach und nach zu der Überzeugung, dass die junge Frau in einer Art innerem Refugium verweilt, in dem sie traumatische Erlebnisse zu verdrängen versucht. Doch dann erweist sich ein Name aus Sandrines Erzählung doch als Treffer. Und dieser Name führt den ermittelnden Kommissar Damien Bouchard zu einem abgelegenen Bauernhof, auf dem das Grauen auf ihn wartet. Denn hier klärt sich nicht nur Sandrines Geschichte auf – auch das Schicksal des Kommissars und seiner seit Jahren vermissten Tochter erfährt eine neue Wendung.
Jérôme Loubry gelingt mit seinem Thriller „Der Erlkönig“ ein ungemein fesselndes Psychodrama, welches mit sämtlichen Formen des Verdrängens spielt und den Leser bis zuletzt im Ungewissen darüber lässt, was Realität und was Erfundenes ist.
„Der Erlkönig“ verschafft dem Leser einen ungeheuren und beklemmenden Blick in die menschliche Psyche und wurde in Frankreich nicht umsonst mit einem der renommiertesten Krimipreise ausgezeichnet.

Diana Baur


Frühjahr 2020. Deutschland befindet sich im Lockdown und Dora hat Berlin, ihren Freund, dessen an Besessenheit grenzender Klimaaktivismus zuletzt in einen übertriebenen Corona-Aktivismus umschlug und die schicke gemeinsame Wohnung verlassen, um in der brandenburgischen Provinz ihr spontan erworbenes Eigenheim auf einem verwilderten Grundstück zu bewohnen und zu renovieren. Sie hofft dem unangenehmen Kribbeln, dieser Unruhe, die die Nachrichten, Diskussionen, Berlin mit seinen vielen Menschen und ihren ganzen Überzeugungen, der ständige Trubel und das Beschäftigtsein mit allem Möglichen und das am besten gleichzeitig, verursachen, hier entfliehen zu können.
Während sie gerade ihren Garten umgräbt, um ein Gemüsebeet anzulegen, lernt sie ihren neuen Nachbar Gote kennen, der sich ihr unverblümt mit „ich bin hier der Dorf-Nazi“ vorstellt. Der Nachbar von Gegenüber versucht ihre Sympathie durch rassistische Witze zu gewinnen, während er ihr ungefragt beim Roden ihres Vorgartens hilft und sogar bei einem schwulen Pärchen, das ausländische Studenten in seinem Unternehmen beschäftigt und wegen Corona bei sich wohnen lässt, klebt ein AfD-Aufkleber am Briefkasten. Dora befürchtet, dass sich alle Vorurteile über die Ostdeutsche Provinz, die sie bei ihrem Umzug noch versucht hat zu verdrängen, nun doch bewahrheiten.
Doch dann lernt sie die Menschen kennen und merkt schnell, dass sie irgendwie nicht so richtig in ihre vorgefertigten Schubladen passen, es auch manchmal gar nicht darauf ankommt, Menschen in diese einzusortieren und sicher abzuschließen und dass es vor allem kompliziert wird, wenn sich jeder immer für was Besseres hält.

Eine sehr aktuelle und bewegende Geschichte in Juli Zehs bester Menschenbeobachtungs-Manier, die zum Nachdenken anregt und unserer Gesellschaft den Spiegel vorhält! Sehr pointiert, oft zum Schmunzeln und wirklich hochaktuell.

Ricarda Schneider


Wenn ein 13-jähriger seine Großmutter in deren Abwesenheit vor Gericht lädt und zum Tode verurteilt, weil sie seine Mutter schikaniert und ihr das Leben zur Hölle macht, ist die Juristenkarriere vorprogrammiert…
Der Ich-Erzähler, Typ verklemmter Außenseiter, zieht zum Jurastudium nach Freiburg, wo er mit glänzenden Ergebnissen brilliert und schnell zum Tutor aufsteigt. Allerdings ist das geltende Rechtssystem so gar nicht nach seinem Geschmack – viel zu sehr nimmt sich das Strafrecht seiner Meinung nach den Tätern an und vergisst allzu oft die Opfer. Und so reift der Plan in ihm, ein gerechteres Rechtssystem zu entwerfen – ein inoffizielles StGB… Er zieht aus in die Welt, als dunkler Rächer und größenwahnsinniger Held, um Recht und Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen – ganz im Stile eines klassischen Schelmenromans. Und es erscheint als logische Konsequenz, dass imaginäre Todesurteile irgendwann nicht mehr ausreichen und in deren Vollstreckung münden…
„Wie alles begann und wer dabei umkam“ ist ein großartiger Gesellschaftsroman, den man mit ungläubigem Staunen, großer Begeisterung und einem Lachen, das manchmal im Halse stecken bleibt, liest. Bitterböse, originell und extrem unterhaltsam!

Simone Neidlinger


Mein Lieblings-Krimi-Autoren-Duo hat es wieder einmal geschafft mich völlig zu begeistern. „Was sie nicht wusste“ ist das neue Buch nach ihrer Krimi-Serie über und mit Frieda Klein. Wieder ist London der Schauplatz des Geschehens. Hier lebt Neve Connolly. Mutter von drei Kindern, vielbeschäftigte Ehefrau und vertrauenswürdige Kollegin. Eigentlich eine ganz normale Frau, doch sie hat einen Fehler gemacht und dieses Problem gerät außer Kontrolle. Eigentlich wollte sie sich mit ihrem Geliebten in dessen Wohnung treffen, doch als sie dort eintrifft, liegt er erschlagen auf dem Boden. Ohne zu zögern beseitigt sie alle Spuren und benachrichtigt erst dann anonym die Polizei. Doch sie hat etwas vergessen…

Was so harmlos beginnt, lässt einen nicht mehr los. Während es bei Neve zu Hause wie im Taubenschlag zugeht und neben Freunden und Bekannten plötzlich auch alte Studienfreunde auftauchen, versucht sie ihren Fehler wieder gut zu machen, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, den Mörder zu finden und ihre Familie zu schützen. Doch wem kann sie trauen? Wen kennt sie wirklich?

Dieses Buch nimmt so rasant an Fahrt auf, dass man es nicht aus den Händen legen kann. Ein Psychothriller vom Feinsten und eine unbedingte Leseempfehlung!!!

Christine Brune-Schmidt


Der liebenswerte 72-jährige Carl Kollhoff ist Buchhändler im Ruhestand, darf aber weiterhin stundenweise für die „Buchhandlung am Tor“ arbeiten, die jahrzehntelang sein Lebensinhalt war.

Er ist ein Buchhändler der besonderen Art, denn er ist der „Buchspazierer“.

Nach Geschäftsschluss schnürt er vorsichtig seinen Lederrucksack, gefüllt mit liebevoll ausgewählten und verpackten Büchern, die er einem erlesenen Kreis seiner langjährigen Stammkundschaft ausliefert. Er liebt diesen allabendlichen routinierten Gang durch die Straßen seiner Stadt, der ihn zu Menschen leitet, mit denen er kurze, freundschaftliche Gespräche führt und ihnen Buchschätze bringt, die ihr Leben zu erleichtern scheinen.

Eines Tages schließt sich ungefragt die kleine 9-jährige Schascha seiner Tour an und weicht nicht von seiner Seite. Sie lässt sich nicht abwimmeln und mit ihrer unbestechlichen, quirligen Art, ihrer Lebendigkeit, Wissbegierde und ihrem kindlichen Optimismus schleicht Schascha sich nicht nur in Carls Herz, sondern wirbelt auch gehörig die starren Leben seiner Kunden durcheinander.

Schascha öffnet Carl die Augen und ihm wird klar, dass man seinen Mitmenschen viel mehr Beachtung schenken muss und genauer hinschauen sollte…

Auf zauberhafte fast poetische Weise, erzählt Carsten Henn eine warmherzige Geschichte über die Kraft der Bücher, über Mut, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Achtsamkeit. Ein Roman, den man so schnell nicht vergessen wird…

Melanie Krause-Berger


Die Autorin Anne Mette Hancock wird als neuer Stern am dänischen Krimi-Himmel gefeiert- neben so illustren Namen wie Jo Nesbo und Jussi Adler-Olsen. Und ihr erster Fall der Reihe um die Investigativ-Journalistin Heloise Kaldan und den Ermittler Erik Schäfer wurde direkt mit dem dänischen Krimi-Preis ausgezeichnet.

Heloise steckt beruflich in einer Krise, als sie einen rätselhaften Brief von einer gesuchten Mörderin erhält. Darin stehen persönliche Dinge über sie, die eigentlich niemand wissen kann. Heloise beginnt auf eigene Faust über die Absenderin, die seit einigen Jahren spurlos verschwunden ist und ihre Gemeinsamkeiten, zu recherchieren.
Zeitgleich erhält auch Kommissar Erik Schäfer einen neuen Hinweis auf die Gesuchte. Alle Spuren scheinen zu Heloise zu führen. Können die beiden sich vertrauen und werden sie gemeinsam dem Rätsel auf die Spur kommen?
„Leichenblume“ ist ein fesselnd erzählter Krimi über Rache, Gerechtigkeit und Vergebung. In kurzen, prägnant geschriebenen Kapiteln- die aus mehreren Perspektiven geschrieben sind, wird der Leser mitgenommen auf eine spannende Reise. Besonders die Protagonisten Heloise und Erik sind sehr authentisch und sympathisch.

Christine Brune-Schmidt


Vor langer Zeit – in einer Galaxie, weit, weit entfernt…
Wer kennt es nicht – dieses berühmteste Intro der Film-geschichte. Passend zu den legendären Filmen der Star-Wars-Reihe gibt es nun für alle Strick- und DIY-Fans das ultimative Buch:
Star Wars – Galaktisch stricken
Perfekt für Fans von Prinzessin Leia und Co. – oder für die, die Fans werden möchten.
In diesem fantastischen Buch sind 28 authentische Strickanleitungen auf Grundlage der weltbekannten Filmreihe zu finden. Von einem Kuschel-Yoda über Chewbacca-Socken und einer Ewok-Kapuze bis hin zu einem Darth-Vader-Pullover…und noch vieles mehr was das Fan-Herz begehrt! Es ist für alle was dabei – mit tollen Anleitungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.
Ich freue mich schon jetzt auf mein erstes Strick-Projekt – den Todesstern! Los geht’s!
Möge die Stricknadel-Macht auch mit euch sein!

Diana Baur


Hat Jo Nesbo in seinen bisherigen Thrillern gerne den armen Komissar Harry Hole malträtiert, der sich immer wieder mit seinen eigenen und fremden Dämonen auseinandersetzen musste, ermächtigt der Autor in seinen letzten Neuerscheinungen seine Figuren dazu, sich zu wehren.
In diesem relativ harmlos anfangenden Krimi über zwei Brüder, die früh auf sich gestellt sind, als die Eltern mit dem Auto in den Tod fahren, wird der Leser in einen Ort entführt, der von Anfang an irgendwie Unbehagen bereitet. Kalt und unwirtlich, die Menschen nicht wirklich sympathisch. Dort lebt der Ältere relativ friedlich vor sich hin, die Fronten im Ort scheinen geklärt, als auf einmal sein jüngerer, charismatischer Bruder nach langer Zeit mit Frau aus Kanada zurückkehrt, und das Dorf mit großartigen Investitions- und Hotelbauplänen durcheinanderwirbelt. Dabei wird auch einiges Unschöne aus der Beziehung der zwei Brüder aufgedeckt und die Dämonen der Vergangenheit tauchen aus der – im wahrsten Sinne des Wortes – Versenkung auf!
Ein toller Krimi, weitab von 08/15, düster, psychologisch, und sehr sehr spannend!
Eine absolute Lese-Empfehlung!

Alexandra Brune-Will


Dieses Buch ist mein Lese-Highlight des Jahres 2020 und eine unbedingte Geschenk-Empfehlung!

Die Geschwister Maeve und Danny Conroy wachsen im Holländerhaus in einem Randbezirk von Philadelphia auf. Die luxuriöse Villa der VanHoebeeks hatte ihr Vater Cyril von seinem hart erarbeiteten, ersten kleinen Vermögen gekauft. Doch seine Frau erträgt den Luxus nicht und verlässt die Familie. Ab diesem Zeitpunkt kümmert sich Maeve um ihren kleinen Bruder, was die Beiden eng zusammenschweißt. Die Geschwister werden unzertrennlich und sind eigentlich glücklich, bis ihr Vater wieder heiratet und die neue Stiefmutter mit ihren beiden Töchtern in das Holländerhaus einzieht. Nach dem Tod des Vaters wirft sie Maeve und Danny aus dem Haus, erhält das ganze Erbe und das Holländerhaus. Und obwohl die Geschwister ihr eigenes Leben meistern, können sie die Vergangenheit doch nicht hinter sich lassen und kehren regelmäßig nach Philadelphia zurück um das Holländerhaus zu beobachten.Mit diesem Roman hat Ann Patchett eine wunderbare, bittersüße und berührende Familiengeschichte geschrieben, die man einfach lieben muss. Durch ihre bildreiche Sprache haucht sie den Figuren Leben ein und gibt ihnen eine Seele. Man lernt Maeve und Danny kennen, schließt sie in sein Herz und wird mit ihnen erwachsen. Man betrauert mit ihnen den Verlust des Vaters und des Hauses. Man verflucht die Stiefmutter und leidet mit ihnen. Dabei spürt man immer wieder das enge Band zwischen den Geschwistern.
Das „Holländerhaus“ ist moderner und kluger Familienroman, der mich begeistert hat. Er handelt von schmerzhaften Verlusten, von Rachegefühlen, Sehnsüchten, einer unerschütterlichen Geschwisterliebe und dem was Familie und ein Zuhause bedeutet.

Christine Brune-Schmidt


Hulda Hermannsdottir, Kommissarin bei der Kriminalpolizei in Reykjavik steht mit ihren 65 Jahren kurz vor der Pensionierung.

Doch als ihr Chef ihr eröffnet, dass sie sofort und von heute auf morgen vorzeitig ihren Platz für einen jüngeren und erfolgreichen Kollegen räumen soll, ist sie geschockt.
Sie leiert ihrem Chef noch die Arbeit an einem letzten Fall aus den Rippen – einem Cold Case, der sie niemals losgelassen hat. Sie nimmt erneut die Ermittlungen auf und begibt sich auf eine gefährliche und düstere Reise ins ebenso düstere und gefährliche Herz Islands.
DUNKEL ist der Auftakt einer fulminanten Trilogie um die im Leben gescheiterte Kommissarin Hulda mit einer tiefgehenden Charakterisierung der zentralen Figur und beeindruckenden Landschaftsbeschreibungen. Und das Besondere an dieser Trilogie ist die Erzählweise: denn Ragnar Jonasson erzählt die Geschichte um Hulda rückwärts und schafft somit einen außergewöhnlichen und absolut fesselnden Thriller, der den Leser aus seinem üblichen Lesemuster reißt und ihm einiges abverlangt – vor allem gute Nerven!
Das Ende von DUNKEL hallt lange nach und hat mich nachhaltig ungemein beeindruckt. Es hat mich – um ehrlich zu sein – total aus den Socken gehauen! Mal ganz was anderes im Einheitsbrei der herkömmlichen Thriller-Literatur…eine absolute Lese-Empfehlung!
Glücklicherweise kann man direkt mit Band 2 (INSEL) und Band 3 (NEBEL) weiter ins Hulda-Universum eintauchen und reist auf abgründigen Wegen in die dunkle Vergangenheit der komplexen und vielschichtigen Protagonistin.
Also geschwind nach DUNKEL auch INSEL und NEBEL lesen…es lohnt sich!!!

Diana Baur


Auf eindringliche Art und Weise kontrastiert Ulrike Ulrich die Luxusprobleme der Wohlstandsgesellschaft mit der Realität und den existentiellen Sorgen von Flüchtlingen.

Während die deutsche Sängerin Alexa, die kurz vor ihrer Einbürgerung steht, wie jedes Jahr eine Dachparty zum Schweizer Nationalfeiertag vorbereitet, sucht der junge Kamal verzweifelt einen Unterschlupf, um sich der drohenden „Ausschaffung“ nach Tunesien zu entziehen. Als selbst der engagierte Zoltan, Alexas bester Freund und Kamals Deutschlehrerund Vertrauter, ihm aus unterschiedlichen Gründen die so dringend benötigte Hilfe verweigert, eskalieren die Ereignisse. Ulrike Ulrich zeichnet ein sehr genaues Bild des Bildungsbürgertums – informiert und kritisch auf der einen Seite, aber auch ignorant und oberflächlich auf der anderen Seite. So ist Alexa durchaus betroffen von Kamals Schicksal und gewillt zu helfen, aber ebenso wichtig erscheint die Planung und das Gelingen der Party: Dekoration, Bowle, Musikauswahl versus Sicherheit und Überleben eines Menschen.
Ein Tag und eine Nacht – wahrgenommen aus der Perspektive unterschiedlicher Personen mit individuellem Schicksal und einer jeweils eigenen Sicht auf die Dinge und Ereignisse. Ein facettenreicher Roman, der fesselt und zum Nachdenken anregt.

Simone Neidlinger


Zwei fast gleichaltrigen Mädchen, die denselben Vater haben, dieselbe Stadt.
Der erste Teil beginnt mit Dana. Sie ist die Tochter von James Whiterspoon, der mit ihrer Mutter nicht verheiratet ist. Bei ihnen ist er heimlich. In diesem Bewußtsein wächst sie auf:
“Du darfst deiner Erzieherin nicht erzählen, dass dein Daddy eine andere Frau hat. Du darfst ihr nicht erzählen, dass ich James Witherspoon heiße. Atlanta ist wie ein Dorf, hier kennt jeder jeden.” “Deine andere Frau und dein anderes Mädchen sind ein Geheimnis?”, fragte ich. (…) “Nein. Das verstehst du falsch. Dana, du bist ein Geheimnis.”
Damit dass so bleibt, muss Dana von klein auf zurückstecken und bei vielen was sie möchte,auf die andere Tochter Rücksicht nehmen. Wie sie ihre Geschichte erzählt, wirkt sehr frühreif, dennoch möchte man sie öfters einfach nur beschützen.
Im zweiten Teil kommt die andere Tochter, Chaurisse, zu Wort. Sie wächst behütet in einer heilen Welt auf. Man ahnt es fast, dass die beiden Schwestern aufeinander treffen werden. Dana setzt sich über das Verbot des Vaters hinweg und lernt Chaurisse kennen, freundet sich mit ihr an, möchte sehen und erleben, wie das Leben der Schwester über all die Jahre verlaufen ist. Dann konfrontiert sie sie mit der Wahrheit über die zweite, heimliche Familie. Für Chaurisse und ihre Mutter bricht eine Welt zusammen. Man erfährt, dass auch sie mit diesem Vater zu kurz kommt, und wie das Schicksal ihrer Eltern miteinander verwoben sind.
Es ist ein berührendes Buch über die Sehnsucht nach Liebe und Vertrauen, über Lügen und Geheimnisse, und nebenbei lässt die Autorin gekonnt Themen wie die Rolle der Frau und der Farbigen in den 80er Jahren in den Roman einfließen

Hanna Finkbeiner



Nachdem zwei Personen, ein kleiner Junge mit Autismus und eine Mutter von fünf Kindern, bei einer Explosion einer Druckkammer in einer Scheune in Miracle Creek ums Leben kamen, wird die Mutter des verstorbenen Jungen angeklagt, das Feuer unter den Sauerstofftanks gelegt zu haben, die im Rahmen einer zweifelhaften Therapiemethode, reinen Sauerstoff in die Druckkammer leiten.
Denn an dem tragischen Tag stieg sie nicht mit in die Druckkammer, sondern bat die Mutter eines anderen Kindes, während der Therapie auf ihren Sohn aufzupassen.
Während im Gerichtssaal ein Zeuge nach dem anderen verhört wird, wird den Beteiligten bewusst, dass die Sache längst nicht so klar ist, wie alle denken und sie erinnern sich an ihre jeweiligen Erlebnisse und wichtige Schlüsselsituationen an den Tagen rund um die Explosion zurück…und beim Lesen merkt man schnell, dass offenbar keiner die ganze Wahrheit erzählt und alle ihre ganz eigenen (guten) Gründe dafür haben. Stück für Stück setzt sich mit jedem Perspektivwechsel das Puzzle um diesen Tag, diese schicksalhaften Minuten weiter zusammen und überraschte mich immer wieder aufs Neue!
Wahnsinnig spannend, clever konstruiert und mit vielschichtigen persönlichen Geschichten der Charaktere gespickt, die alles so lebendig und tragisch und irgendwie nachvollziehbar machen. Neben dem spannenden Gerichtsprozess, werden in diesem Roman Themen wie Migration, Unfruchtbarkeit, Autismus und Mutterschaft behandelt.
Eins ist klar: Jeder hat Fehler gemacht in dieser Geschichte. Doch wer trägt die Schuld am Tod dieser beiden Menschen, wie wurde diese Ereigniskette in Gang gesetzt und wer fängt an, endlich die Wahrheit zu erzählen?
Absolut lesenswert!

Ricarda Schneider